Fragen der Bürgergesellschaft gehören seit 1999 zu meinem Themenspektrum. Denn in diesem Jahr war ich für die Konzeptionierung und Ausgestaltung der Sommerakademie des Sekretariat für Zukunftsforschung (SFZ) zuständig. Und schon damals ging es mir ganz wesentlich um den Spagat, dem die Bürgergesellschaft in der politischen Diskussion — aber auch in der Ausbildung ihres Selbstverständnisses — angesichts der grundsätzlichen Veränderungen in ihren Rahmenbedingungen ausgesetzt ist:

Bietet die Bürgergesellschaft eine Form zur Regelung kollektiver oder gar gesellschaftlicher Konflikte, die die etablierte Politik ergänzen oder gar ersetzen kann,
oder aber
 dient der ja durchaus positiv besetzte Begriff letztlich nur zur Kaschierung eines Rückzugs des Staates aus Aufgaben, die er meint angesichts eines Globalisierungsparadigmas nicht mehr wahrnehmen zu können, und die er deshalb an uns Bürger zurückverweist ?

Was bedeuten die grundsätzlichen Veränderungen und Verschiebungen in Macht und Teilhabe,
wie sie mit den Veränderungen in der Wirtschaft und der Arbeitswelt einhergehen,
für die Art und Weise, wie und nach welchen Gesichtspunkten wir Gesellschaft und unser Zusammenleben organisieren
?

Gibt es schon — oder entstehen erst — wirklich neue Formen kollektiver Verständigung über gesellschaftliche Aufgaben, einzusetzende Instrumente und Lastenverteilung, die möglichst alle relevanten Interessen ausgewogen und zugleich der jeweiligen Situation angepaßt berücksichtigen? Und welche sind bzw. wären das? Und nicht zuletzt: Wie sind einzelne Instrumente wie public-private-partnership und Ehrenamt oder Lokale Agenda 21-Prozesse vor dem Hintergrund dieser Grundsatzfragen zu bewerten?

Diese Fragen sind keineswegs nur theoretischer Natur, sondern lassen sich für ganz konkrete Fälle stellen und untersuchen. Diesem Verständnis von anwendungsorientierter Wissenschaft fühle ich mich verpflichtet!

 

© Christian Trapp 2003